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Geschichte hautnah erleben

In den Fängen der Stasi“ – eine Zeitzeugin berichtet

Peckelsheim. Eine Geschichtsstunde der besonderen Art fand am Freitag, 27.05.2011 in der Aula der Hauptschule Willebadessen statt. Eine Zeitzeugin berichtete den Schülerinnen und Schülern der 10. Klasse über die Lebensumstände in der ehemaligen DDR, ihren gescheiterten Fluchtversuch in die BRD und ihre 5 ½ Monate andauernde Haft im geheimen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen.

Die Zeitzeugin Katharina Leendertse, 1938 geboren in Hohenstein-Ernstthal in Sachsen, verdeutlichte zu Beginn ihres 1 ½ stündigen Vortrags, dass heutige Werte wie Rede-, Reise- oder auch Presse- und Versammlungsfreiheit in der ehemaligen DDR keine Selbstverständlichkeit waren. Der Lebensalltag wurde vom Staat streng gesteuert, wer nicht im und am System mitarbeitete, galt als Staatsfeind. Die Stasi (Staatssicherheit) arbeitete eng mit Schulen, der Volkspolizei, Ärzten u.v.m. zusammen, um eine lückenlose Kontrolle der Bevölkerung der DDR gewährleisten zu können. Von anfangs 3 000 Mitarbeitern (1950) wuchs die Zahl der Beschäftigten der Stasi bis zum Jahr 1989 auf 91 000 offizielle und 189 000 inoffizielle an.

1955 erhielt Frau Leendertse eine Einladung in die BRD, zu welcher sie damals eine Reisegenehmigung bekam. Dort lernte sie bei ihrem Aufenthalt im Siegerland ihren heutigen Ehemann kennen. 1956 machte sie Abitur, trat anschließend in die FDJ ein um eine Zusage zu einem Lehramtsstudium zu bekommen. Die sozialistische Jugendweihe allerdings verweigerte sie und wurde daraufhin im 5. Semester exmatrikuliert. Sie machte eine Ausbildung als kirchliche Gemeindehelferin und war dann auch als solche tätig.

Zwischen den Jahren 1961-64 plante sie gemeinsam mit ihrem Verlobten, der in der BRD wohnte, die Flucht. Dieser nahm Kontakt zu einer Fluchthelferorganisation auf. Im Februar 1964 sollte die Flucht mithilfe eines Kuriers der Organisation durchgeführt werden, doch dieser Kurier stellte sich als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes heraus und verriet Katharina Leendertse.

Nach ihrer Verhaftung folgte ein knapp sechsmonatiges Martyrium in der Zentralen Untersuchungsanstalt 1 der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen. Stundenlange Verhöre, erzwungene Geständnisse und permanente Isolation durch Einzelhaft ließen dieses halbe Jahr zur Qual werden. Niemand, nicht einmal Katharina Leendertse selbst, wusste, wo sie sich befand.


Im August 1964 kam dann die erlösende Nachricht, dass es ihrem Verlobten gelungen war, sie von der BRD für 40 000 DM freizukaufen.

Der Vortrag der Zeitzeugin Katharina Leendertse stellte für die Schülerinnen und Schüler ein besonderes Ereignis dar, die Umstände der damaligen Zeit greifbarer und verständlicher zu erfahren. Frau Leendertse war es wichtig, dass die Jugendlichen daran erinnert werden, unter welchen Bedingungen Menschen in der DDR gelebt haben und dass heutige Werte besonders schützenswert sind und von den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben sollen.